
Die Bibel – Wahrheit und Mythos Teil 2

Die Bibel – Wahrheit und Mythos, Teil 2
Vortrag und Gesprächsrunde mit Klaus Goldhammer
Kaum ein Buch hat die europäische Kultur so nachhaltig geprägt wie die Bibel. Sie ist Glaubensgrundlage, historische Quelle, literarisches Werk und Sammlung jahrtausendealter Überlieferungen zugleich. Doch wie lassen sich biblische Erzählungen heute einordnen? Wo begegnen uns historische Spuren – und wo bewegen wir uns im Bereich von Symbol, Glaubensdeutung und Mythos? Am Mittwoch, 12. August 2026, um 15:00 Uhr greift die Staßfurter URANIA e. V. diese Fragen im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe „Die Bibel – Wahrheit und Mythos“ auf.
Klaus Goldhammer führt durch einen Themenbereich, der schnell persönlich werden kann. Denn die Bibel ist für viele Menschen mit Kindheit, Religion, Kunst, Musik oder familiären Traditionen verbunden. Andere nähern sich ihr eher historisch-kritisch. Wieder andere kennen einzelne Geschichten, Redewendungen oder Figuren, ohne den größeren Zusammenhang zu überblicken. Genau deshalb ist eine offene Gesprächsrunde sinnvoll: Sie schafft Raum für unterschiedliche Perspektiven – respektvoll, sachlich und ohne vorschnelle Antworten.
Zwischen Geschichte, Überlieferung und Glauben
Die Bibel ist kein einzelnes Buch im modernen Sinn, sondern eine Sammlung sehr unterschiedlicher Texte. Erzählungen, Gebete, Lieder, Gesetze, Briefe, Prophetien und Weisheitsschriften stehen nebeneinander. Sie entstanden über lange Zeiträume, wurden weitergegeben, bearbeitet und schließlich zu einem Kanon zusammengeführt. Schon diese Entstehungsgeschichte zeigt: Wer nach „Wahrheit“ fragt, muss zunächst klären, welche Art von Wahrheit gemeint ist.
Historische Forschung fragt beispielsweise nach Orten, Herrschern, politischen Konflikten und archäologischen Spuren. Theologie wiederum untersucht Glaubensaussagen und religiöse Deutungen. Literaturwissenschaft schaut auf Erzählformen, Bilder und Motive. Und der Begriff Mythos bedeutet in diesem Zusammenhang nicht einfach „erfundene Geschichte“. Mythen können grundlegende Erfahrungen ausdrücken – etwa Schuld, Hoffnung, Leid, Befreiung oder den Wunsch nach Ordnung.
Warum biblische Texte bis heute wirken
Viele biblische Motive sind tief in unsere Sprache eingegangen: der „barmherzige Samariter“, „David gegen Goliath“ oder der „verlorene Sohn“. Auch Kunstwerke, Oratorien, Filme und Romane greifen diese Bilder immer wieder auf. Manchmal geschieht das ausdrücklich religiös, manchmal kritisch oder sogar ironisch. Doch ganz gleich, aus welcher Richtung man sich nähert – ohne Grundkenntnisse der Bibel bleibt ein großer Teil europäischer Kulturgeschichte schwer verständlich.
Der zweite Teil der Reihe dürfte deshalb nicht nur Menschen ansprechen, die sich für Religion interessieren. Auch Freunde von Geschichte, Philosophie, Literatur und Archäologie finden hier Anknüpfungspunkte. Vielleicht geht es um Widersprüche, vielleicht um verschiedene Übersetzungen oder um die Frage, wie moderne Forschung mit alten Texten umgeht. Sicher ist: Das Thema lässt sich nicht in einem einzigen Satz erledigen – und gerade das macht den Reiz aus.
Bildung, die Fragen zulässt
Die Staßfurter URANIA versteht sich als Ort der offenen Erwachsenenbildung. Der Vortrag mit anschließender Diskussion findet in den Räumen am Prinzenberg 18 in Staßfurt statt. Die Teilnahme ist kostenlos, alle Interessierten sind willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Neugier genügt – und vielleicht die Bereitschaft, vertraute Vorstellungen noch einmal neu zu betrachten.
Diese Veranstaltung verspricht keinen einfachen Gegensatz zwischen „wahr“ und „falsch“. Stattdessen geht es um Zusammenhänge, Quellen, Deutungen und die spannende Frage, warum Texte aus der Antike noch immer Debatten auslösen. Ein Nachmittag also für Menschen, die genau hinschauen möchten – und die es aushalten, wenn eine gute Frage manchmal interessanter ist als eine schnelle Antwort.
10 interessante Fakten zur Bibel
- Die Bibel besteht aus zahlreichen Einzeltexten unterschiedlicher Gattungen.
- Das Alte Testament und das Neue Testament entstanden in verschiedenen historischen Epochen.
- Viele biblische Texte wurden zunächst mündlich überliefert.
- Hebräisch, Aramäisch und Griechisch gehören zu den wichtigsten Originalsprachen biblischer Schriften.
- Der Begriff „Bibel“ geht auf ein griechisches Wort für „Bücher“ zurück.
- Unterschiedliche christliche Traditionen zählen nicht immer exakt dieselben Schriften zum Kanon.
- Die Erfindung des Buchdrucks trug stark zur Verbreitung von Bibelübersetzungen bei.
- Biblische Redewendungen prägen bis heute die deutsche Alltagssprache.
- Archäologie kann historische Kontexte beleuchten, aber Glaubensaussagen nicht abschließend beweisen oder widerlegen.
- Die Bibel gehört zu den am häufigsten übersetzten Werken der Weltgeschichte.
12. August | 15:00 – 17:00



